Blog#9 Leben im Diakonissenhaus

Seit schon einem halben Jahr leben wir im «Kloster». Wie das so ist und was das mit uns macht erfahrt ihr hier.


  • Wir sind in Riehen bei der Kommunität Diakonissenhaus Riehen einquartiert. Und wer nicht ganz genau weiss wo, der darf uns gerne besuchen kommen: wir freuen uns & das essen schmeckt sehr gut ;). Und eine interkulturelle Erfahrung wird es für die allermeisten auch noch sein.

  • Grundsätzlich haben wir drei gemeinsame, liturgische Gebetszeiten und zwei gemeinsame Mahlzeiten am Tag, an denen wir teilnehmen, wenn wir können. Wir bewohnen ein Zimmer mit eigenem Bad, benützen eine geteilte Küche und haben einen kleinen Abstellraum. Im Alltag sind wir fast nur mit dem Fahrrad unterwegs.
  • In unserem Dorf in der Nähe zur FEG Riehen zu leben bedeutet für uns, dass wir auch an vielen verschiedenen Gebetszeiten und anderen Programmen unserer Heimatsgemeinde teilnehmen können.
  • Die Tage füllen sich mit Interner Arbeit (für Kost und Logis) in der Küche, Hauswirtschaft, beim Kerzenziehen sowie durch externe Arbeit, vielen Gesprächen und natürlich viel Zeit in der Stille und im Gebet.

Betet ohne Unterlass

Betet immerzu

Betet unablässig

Hört nicht auf zu beten

Verschiedene Übersetzungen von 1. Thessalonicher 5,17

  • Was bedeutet es, allezeit betend zu werden? Eine Antwort, die ich (Timon) in den letzten Monaten gefunden habe, hat sich auch zu meinem persönlichen Ziel entwickelt. Paulus betont es häufig, dass wir als Kinder von Gott direkt mit dem Vater sprechen können. Das nennen wir Gebet. Wenn ich nun nicht aufhöre zu beten, werde ich alles, was ich tue, sage und denke mit Gott besprechen.
  • Besprechen beinhaltet, dass es sich um einen Dialog handelt, also nicht nur ich rede, sondern gebe auch Gott Zeit zu reden und höre zu. Wir sind dazu berufen, seine Stimme zu hören und seinen Willen zu erfragen und zu tun. Gottes Stimme zu hören, ist genauso grundlegend, wie seinen Willen zu tun.

Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie, sie folgen mir.

Johannes 10, 27.

Wenn ihr nun auf mich hört und meinen Bund haltet, dann sollt ihr unter allen Völkern mein persönliches Eigentum sein.

«Mosebund» – Exodus 19, 5

Hearing God’s Voice is not a part of insanity but to recognize your humanity – Pete Greig

(Gottes Stimme zu hören ist nichts verrücktes, sondern zu akzeptieren das wir Menschen genau dazu geschaffen sind)

  • Allezeit betend zu sein hat also viel damit zu tun, Gottes Stimme zu hören. Damit das Realität werden darf, ist es natürlich unabdingbar, dass wir uns dazu bewusst Zeit nehmen und regelmässig einplanen.
  • Und genau dazu, so habe ich verstanden, sind die Tageszeitengebete der Diakonissen und von allen anderen Ordensgemeinschaften in allen christlichen Klöstern. Ich unterordne mich bewusst einer (gemeinsamen und äusseren) Struktur, einem Rhythmus, um immer wieder durch das Gebet unterbrochen zu werden. Immer wieder halte ich meine Seele dazu an, Gottes Ehre vor meiner eigenen zu suchen. Immer wieder entscheide ich mich bewusst dafür, Gottes Perspektive, seine Wege und Gedanken (Jes. 55,8) zu meinen eigenen zu machen. Das ist herausfordernd in der Einübung und auch durchaus im Aufrecht erhalten (wurde mir gesagt), aber es wirkt! So darf ich nach nur wenigen Monaten von intensivem Gott suchen schon erste Veränderungen bemerken: Ich höre Gottes Stimme häufiger, schneller und klarer, sie ist mir mehr vertraut. Aber auch mein Grundzustand meiner Seele ist weniger um mich selbst kreisend und häufiger daran, die aktuelle Situation aus Gottes Perspektive zu betrachten. Aber umso mehr Fortschritt ich in dieser Richtung machen darf umso mehr wird mir auch bewusst, wie viel mehr Potential in mir und in jedem anderen Menschen steckt. Auf diesem Weg liegt auch das Leben in Fülle, das Jesus verspricht. Ich bin es am entdecken, du auch?

  • Eine etwas heftige, leider wahre Begebenheit sind wir euch schuldig zu erzählen. An einem wundervollen Herbstwochenende konnten wir als Ehepaar auf dem Grimselpass Wandern, Klettern und Zelten gehen – und liebten es!
  • Auf dem letzten Abstieg, 15min vor dem Auto, auf einem Wanderweg der einen steilen Hang traversiert, regnete es plötzlich Steine. Timon wurde getroffen und musste mit der Rega ausgeflogen werden, obwohl wir noch beide bis ins Tal laufen konnten. Ergebnis: Gehirnerschütterung und eine Verletzung am Finger, die Timon zwei Monate Arbeitsunfähigkeit bescherten. Langzeitschäden sind nur kosmetisch. Wir erlebten also echte Bewahrung!
  • Das Wochenende und die Berge waren dennoch der Hammer! Und dann hatten wir noch ein paar andere Highlights in den letzten Monaten (siehe Fotos)

  • Im Gespräch mit unseren Begleitschwestern wurde uns klar, dass die Zeit im Diakonissenhaus bis ca. Sommer weitergeht. Die Prozesse in denen wir stecken benötigen noch mehr Zeit.
  • Zwar hat Gott uns letzten Sommer sehr klar ins Gebet gerufen, aber vielleicht gerade deswegen ist Gottes Führung zur Interkulturellen Arbeit immer spürbarer. Was lange als Elefant im Raum stand ist nun immer spürbarer, immer realer. Wie wir das jetzt immer konkreter spüren, können wir nicht an einzelnen Erlebnissen zeigen, es ist viel mehr die Summe der vielen Kleinigkeiten, die wir im Dialog mit unserem Vater erleben. Ganz praktisch heisst das aber bisher noch nicht mehr, als das sich Timon informiert über mögliche weitere Ausbildungswege.
  • Tabita konnte ab Februar eine 100% Stellvertretung übernehmen, die sie fachlich fordert und fördert. Dafür sind wir sehr dankbar, vor allem dass Tabitas Beruf ihr jetzt so zusagt.

  • Wir wurden einige Male gefragt, ob wir nicht an einem Abend von unserer Reise berichten wollen. Wir haben uns aus folgenden Gründen dagegen entschieden:
  • Wir sind nicht in der Lage diesen Lebensabschnitt gut in Kürze zusammenzufassen.
  • Aber ihr dürft sehr gerne mit uns abmachen oder uns einladen und uns nach Erlebnissen, Bildern und was wir gelernt haben fragen. Wir teilen gerne was wir haben – wozu sonst sollten wir es anvertraut bekommen haben?
  • Wir dürfen diesen Februar (hoffentlich) einen lang ersehnten Wunsch wahr werden lassen: Wir können für volle zwei Wochen nach Israel reisen. Darauf freuen wir uns schon sehr.
    Der Plan umfasst 5 Tage Jerusalem und eine Woche mit einem Mietauto von Norden bis Süden und ein Paar Begegnungen mit Einheimischen.

Ich aber und meine Familie wollen dem Herrn dienen.

Josua 24,15b – Tabitas Jahreslosung